Niue and the EU

Ein Besuch des Lagers Zamzam, wo 120 000 Vertriebene in Nord-Darfur leben

07/03/2020 - 11:49
From the blog

07/03/2020 - Am Ende meines Besuchs in Äthiopien und Sudan – meiner ersten Reise nach Afrika in meiner neuen Funktion als Hoher Vertreter der EU – bin ich letztes Wochenende nach Nord-Darfur gereist. Ich habe mich mit den lokalen Behörden getroffen und das Lager Zamzam besucht, wo seit mehr als einem Jahrzehnt Binnenvertriebene leben. Der Besuch des Lagers war eine einprägsame Erfahrung - gleichzeitig ermutigend und traurig, erfreulich und beunruhigend.

 

Mein Besuch im Lager Zamzam in Darfur hat mich in meiner Überzeugung bestärkt, dass sich die EU weiterhin solidarisch mit den von der humanitären Krise in Sudan betroffenen Menschen zeigen muss.

Das Lager liegt 15 km südlich von El Fasher, der Hauptstadt von Nord-Darfur. Es wurde 2004 aufgrund des Zustroms von Vertriebenen eingerichtet, die vor dem Krieg in Darfur geflohen waren. Der Konflikt, der Ende 2003 zwischen Rebellengruppen und dem Regime al-Baschir ausgebrochen war, führte zu schrecklichen Gräueltaten und ethnischen Säuberungen; die Zahl der Todesopfer wird auf einige Hunderttausend geschätzt.

Heute sind noch immer mehr als 9 Millionen Menschen in Sudan auf humanitäre Hilfe angewiesen und fast 2 Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertrieben. Darüber hinaus hat das Land selbst mehr als 1 Million Flüchtlinge aufgenommen, die hauptsächlich dank humanitärer Hilfe überleben.

Die jüngsten Entwicklungen sind jedoch positiv. Nach der Revolution von 2019 und dem Sturz des al-Bashir-Regimes leitete eine neue Übergangsregierung unter ziviler Führung einen demokratischen Wandel mit einer ehrgeizigen Reformagenda ein, um neue Lösungen für diese schwerwiegenden Probleme zu finden.

Seit seiner Errichtung hat sich das Lager Zamzam in ein städteähnliches Gebiet verwandelt, in dem viele Kinder und Jugendliche untergebracht sind, die nie außerhalb des Lagers gelebt haben. Es ist schwer, das Lager zu beschreiben, aber diese Zahlen und Fakten können Ihnen eine Vorstellung davon geben:

  • Mehr als 120 000 Menschen (rund 54 000 Haushalte) leben in dem Lager, die meisten von ihnen sind Frauen und Kinder.
  • Für fast die Hälfte der Bewohner des Lagers ist die Ernährungssicherheit nicht gewährleistet und es gibt viele unterernährte Kinder.
  • Die häufigsten Todesursachen sind Durchfallerkrankungen, Atemwegserkrankungen und Malaria.
  • Im Lager befinden sich fast 30 Schulen mit rund 25 000 eingeschriebenen Schülerinnen und Schülern.
  • Es gibt fünf feste und drei mobile Kliniken im Lager, die durchschnittlich 16 000 Konsultationen im Monat verzeichnen.

Während meines Besuchs hatte ich die Gelegenheit, humanitäre Helfer kennenzulernen und mich mit den Bewohnern des Lagers und den Leitern auszutauschen. Es war ermutigend, selbst zu sehen, wie die Helfer ihr Bestes tun, um die oft verheerende Lage der Bewohner zu verbessern. Es war traurig, die ausführlichen Berichte darüber zu hören, was den Bewohnern im Alltag fehlt und wie schwer sie es haben. Es war jedoch auch inspirierend zu erfahren, wie die humanitären Helfer und Bewohner auf eine bessere Zukunft hinarbeiten, und auf wie viel Optimismus und auch Freude man vor allem bei den jüngsten Bewohnern unter diesen schwierigen Umständen trifft.

Das medizinische Personal und die humanitären Helfer haben mir gezeigt, wie sie ein Zentrum für medizinische Grundversorgung betreiben, das den Bewohnern des Lagers kostenlos Gesundheitsdienstleistungen, Impfungen und eine breite Palette an medizinischen Behandlungen anbietet. Dieses Zentrum, das von der NRO Relief International mit finanzieller Unterstützung der EU betrieben wird, leistet beeindruckende Arbeit.

In den Gesprächen mit den Bewohnern habe ich Forderungen nach zusätzlicher Unterstützung gehört und auch einige Klagen über die schwierigen Bedingungen in den Lagern. Sie leiden unter Nahrungsmittel- und Wassermangel, Drogenproblemen, geschlechtsspezifischer Gewalt und Missmanagement.

Mein Besuch und die Gespräche haben mich in meiner Überzeugung bestärkt, dass sich die EU weiterhin solidarisch mit den vom Konflikt und der humanitären Krise in Sudan betroffenen Menschen zeigen muss. Seit Jahren leistet die EU humanitäre Hilfe, um die enormen Herausforderungen für die Bevölkerung zu bewältigen und eine Verschlechterung der Lage in den Lagern in Darfur zu verhindern. Die EU hat fast 550 Mio. EUR an humanitärer Hilfe für Sudan – größtenteils die Darfur-Staaten – bereitgestellt. Während meines Besuchs konnte ich zusätzliche humanitäre Hilfe in Höhe von 30 Mio. EUR ankündigen.

Die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten sind nach wie vor entschlossen, auf den Bedarf an humanitärer Hilfe in Sudan zu reagieren, und werden weiterhin mit VN-Partnern (wie WFP und UNICEF) und NRO zusammenarbeiten. Wir werden die neue Regierung bei ihren Bemühungen um die Verbesserung der Lebensbedingungen im ganzen Land unterstützen.                                                                                                      

Obwohl sich die Lage in den letzten Jahren verbessert hat, muss noch viel mehr getan werden. In Sudan gibt es viele Lager wie Zamzam, vor allem in Darfur. Im Rahmen der humanitären Hilfe wird wichtige Unterstützung geleistet, aber es fehlt ein längerfristiger Ansatz. Die humanitäre Krise in Sudan erfordert gemeinsame und koordinierte Anstrengungen, um die Ursachen anzugehen und dauerhafte Lösungen zu finden.

Die EU wird eng mit der Regierung und den Partnern aus dem entwicklungspolitischen und humanitären Bereich zusammenarbeiten, um konkrete Fortschritte zu erzielen.

Die sudanesische Übergangsregierung hat bereits einige wichtige Schritte unternommen, um Hindernisse für humanitäre Akteure zu beseitigen und günstige Rahmenbedingungen für humanitäre Helfer zu schaffen. In Zeiten eines fragilen Wandels, der durch wirtschaftliche Herausforderungen gekennzeichnet ist, unterstützt die EU nachdrücklich die neue Regierung unter ziviler Führung. Die Konsolidierung des politischen Übergangs in Sudan und der Erfolg der politischen und wirtschaftlichen Reformen sind eine Voraussetzung für die Entwicklung des Landes und für eine nachhaltige Lösung der anhaltenden humanitären Probleme.