French Polynesia and the EU

Brücken schlagen für eine starke Zukunft der Arktis

02/02/2021 - 16:45
News stories

In den letzten Jahren hat sich die Arktis dramatisch verändert – so sehr, dass im vergangenen Jahr in manchen arktischen Regionen Temperaturen von bis zu 38 Grad gemessen wurden. Das Eis schmilzt, und der Permafrostboden taut rasend schnell auf. Die hohen Temperaturen haben zudem zu Flächenbränden geführt. Der tauende Permafrostboden führt zu Infrastrukturschäden und hatte im vergangenen Sommer in Sibirien wahrscheinlich das Austreten von Diesel aus einem abgesackten Tank zur Folge. Die Meereisschmelze hat jedoch auch potenzielle neue Seewege eröffnet und den möglichen Zugang zu Erdöl- und Erdgasvorkommen erleichtert. Dies wiederum hat ein stärkeres geopolitisches Interesse an der Arktis geweckt.

Building Bridges (Brückenschlag) ist der Titel der diesjährigen Arktiskonferenz „Arctic Frontiers“, die aufzeigen will, dass die Stärke in der Erhaltung der Arktis als Friedensregion und globales Beispiel für Zusammenarbeit in einem Zeitalter zunehmender Spannungen und globaler Unsicherheit liegt. Arctic Frontiers 2021 bringt Entscheidungsträger, führende Vertreter der indigenen Gemeinschaften sowie Vertreter der Wirtschaft und der Jugend zusammen, um die drängendsten Probleme der Arktis zu erörtern. Der Hohe Vertreter der EU, Josep Borrell, war am zweiten Konferenztag zugegen, der unter dem Motto „Gestaltung der Zukunft“ stand. Virginijus Sinkevičius, EU-Kommissar für Umwelt, Meere und Fischerei, nahm am vierten Tag an einer Podiumsdiskussion zur Kreislaufwirtschaft teil.

Die Europäische Union ist entschlossen, mit ihren internationalen Partnern zusammenzuarbeiten, um sicherzustellen, dass die Arktis als Region der Stabilität, der Sicherheit, des Frieden und des Wohlstands erhalten bleibt.

„Wir glauben, dass eine sichere, stabile, nachhaltige, friedliche und florierende Arktis nicht nur für die Region selbst, sondern auch für die Europäische Union und die ganze Welt von Bedeutung ist“, erklärte Borrell. „Die EU ist eng mit der Arktis verknüpft – wir haben sowohl strategische Interessen in der Arktis als auch ein allgemeines Interesse an arktischen Angelegenheiten.“

 

Michael Mann, EU-Sonderbeauftragter für arktische Angelegenheiten, schloss sich den Worten des Hohen Vertreters an: „Wir haben drei Mitgliedstaaten, die Arktis-Anrainerstaaten sind: das Königreich Dänemark, Schweden und Finnland. Wir sind Verbraucher zahlreicher Produkte, die aus der Arktis stammen: Fisch, Öl, Gas ... Und in Zukunft werden insbesondere für den ökologischen Wandel auch bestimmte Mineralien von Bedeutung sein, die in der Arktis vorkommen.“

Die Arktis ist ein Paradebeispiel dafür, warum wir eine multilaterale Zusammenarbeit brauchen, denn viele Fragen, die die arktischen Gebiete betreffen, können besser im Wege der regionalen oder multilateralen Zusammenarbeit angegangen werden.

„Viele dieser Themen sind von grundlegender Bedeutung für die geopolitische Dynamik, für Sicherheitsbelange im weiteren Sinne wie auch für den Klimawandel – der selbst angesichts der derzeitigen Pandemie wohl weiterhin die größte globale Herausforderung darstellt, vor der die Menschheit heute steht“, erklärte Borrell.

Wir widmen den Kernfragen der Sicherheit und dem Machtwettbewerb der Großmächte um Ressourcen große Aufmerksamkeit. Wir können jedoch davon ausgehen, dass die meisten Spannungen in der Arktis in erster Linie mit der globalen geopolitischen Positionierung zusammenhängen. Sicherheitsfragen sind für die Arktis wichtig, müssen aber in einem breiteren Kontext gesehen werden.

Denn der Klimawandel ist eindeutig die größte Bedrohung für die Arktis. Mit dem europäischen Green Deal nimmt die EU entschlossen eine Reform ihrer internen Politik in Angriff und strebt wirksame multilaterale Vereinbarungen an, um bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen. „Allerdings entfallen nur 7 % der weltweiten Emissionen auf die EU“, so der Hohe Vertreter. „Deshalb wollen wir mit allen unseren Partnern in der ganzen Welt und nicht zuletzt mit den Arktisstaaten zusammenarbeiten, um die Ziele des Übereinkommens von Paris zu erreichen.

Wo, wenn nicht in der Arktis wird deutlicher, wie wichtig der Green Deal ist?“, sagte Michael Mann.

Diejenigen, die in den arktischen Gebieten leben, insbesondere die indigenen Völker und die jüngere Generation, wissen am besten, warum dies relevant ist und wie wichtig und schwierig es ist, diese Ziele mit der Erhaltung von Arbeitsplätzen und den Vorteilen der Wirtschaftstätigkeit in ihren Regionen in Einklang zu bringen.

Der Hohe Vertreter Josep Borrell erinnerte in seiner Schlussrede daran, dass die Europäische Union in diesem Jahr ihre Arktis-Politik neu ausrichtet und sich dabei auf drei Hauptziele konzentrieren wird:

  1. die Erhaltung der Arktis als Raum der friedlichen Zusammenarbeit,
  2. die Eindämmung der Auswirkungen des Klimawandels und
  3. die Unterstützung einer nachhaltigen Entwicklung der arktischen Gebiete zum Nutzen künftiger Generationen.

Ein genauerer Blick auf die Arktis

In dieser Videobotschaft erläutert Michael Mann die Bedeutung der Arktis für die EU und die Welt und spricht über seine Rolle als Botschafter der EU für die Arktis. Erfahren Sie mehr über die Arktis in einem aktuellen Interview mit ihm auf Geopolitique.eu.

 

 

Geschichten aus der Arktis

- Arktis-Smartness in Lappland

„Arcticness“ gehört in Lappland zum Alltag. Die Menschen in Lappland haben sich und ihre Aktivitäten an ihre Umwelt und Umgebung angepasst und es sich nun zum Ziel gesetzt, in Finnland und der EU zu den Experten für die nachhaltige Entwicklung der nördlichsten Regionen zu werden.  So entstehen durch einen cleveren Einsatz des Wissens über die Arktis, durch nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen und durch starke Gemeinschaften Wettbewerbsvorteile für Lappland. 

Lappland ist ein wirtschaftlicher Schmelztiegel und gehört mit seinen Hauptwirtschaftszweigen Forstwirtschaft, Bergbau, Metallurgie und Tourismus zu den am schnellsten wachsenden Regionen Finnlands. „Lapplands ,Arctic Smartness‘-Konzept ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie Regionen ihre Entwicklungstätigkeiten vorantreiben und die Nutzung von EU-Ressourcen erfolgreich verbessern können. Erforderlich dafür sind vor allem: Engagement, sektorübergreifende Zusammenarbeit und eine starke gemeinsame Zukunftsvision“, erklärte Kari Aalto, Direktor des EU-Büros Ost- und Nordfinnland. Weitere Informationen.

 

- Das Wissen indigener Völker aktiv genutzt

Eine Gemeinschaft von Rentierzüchtern in Schweden brachte ihr traditionelles Wissen (externer Link) ein, um eine 350 km lange Rentierroute (externer Link) von der Bottenseeküste bis zum Skandinavischen Gebirge an der norwegisch-schwedischen Grenze zu kartieren. Sie lieferten damit die Grundlage für die Planung der Norbotten-Bahnstrecke und verhandelten ferner den Bau von Wildbrücken (externer Link) (Rentierüberführungen) an der Autobahn E4, die diese natürliche Rentierroute durchquert. Auch der schwedische Verkehrsverband hat sein Personal in Fragen der Rentierhaltung geschult. Weitere Informationen


- Ankunft der MOSAiC-Expedition am Nordpol

Am 19. August 2020 erreichte die größte und längste Polarforschungsexpedition der Welt – MOSAiC (Multidisciplinary Drifting Observatory for the Study of Arctic Climate) – den Nordpol. Im September 2019 stach der deutsche Forschungs-Eisbrecher von Tromsø (Norwegen) aus in See, um sich ein Jahr lang im Eis einfrieren und durch den Arktischen Ozean driften zu lassen. Nachdem Verlassen der Eisscholle, der Eisscholle, in die er zehn Monate lang eingeschlossen war setzte der Eisbrecher seine Fahrt durch die Framstraße und entlang der nordöstlichen Küste Grönlands fort – eine Region, die normalerweise von dickem, mehrjährigem Eis bedeckt ist. Anhand von Radar-Satellitenbildern und Meereseisdaten stellten die Forscher an Bord des Schiffes fest, dass das Meereis deutlich dünner war als sonst zu dieser Jahreszeit, sodass sie ihre Fahrt zum Nordpol innerhalb von nur sechs Tagen abschließen konnten.

 

Dieses Bild zeigt das von der Copernicus-Sentinel-1-Mission (externer Link) am 14. August 2020 aufgenommene arktische Meereis nördlich von Grönland.

„Obwohl die Bedingungen auf dem Eis aufgrund der außergewöhnlichen Witterungsbedingungen in diesem Jahr recht schwierig waren, haben erste Ergebnisse bereits gezeigt, dass die Erwärmung und die damit einhergehenden Veränderungen der Schneefläche zu einer Unterschätzung der Eiskonzentration führen können – eine wichtige Variable bei der Untersuchung der Bedingungen in der Arktis“, erklärte Tânia Casal, Koordinatorin der wissenschaftlichen Kampagne für das MOSAiC. Weitere Informationen.