French Polynesia and the EU

Journalismus: das einzige Mittel gegen Desinformation

03/05/2021 - 08:45
News stories

Laut Reporter ohne Grenzen brachte das vergangene Jahr eine dramatische Verschlechterung des Zugangs der Menschen zu Informationen und zusätzliche Hürden für die Berichterstattung mit sich. 78 Journalistinnen und Journalisten wurden seit 2020 getötet. Eine Hommage zum Welttag der Pressefreiheit

 

Für das Gesundheitspersonal war das vergangene Pandemiejahr ein ständiger Kampf. Journalistinnen und Journalisten standen weltweit vor einem ganz anderen Problem, das fast ebenso viel Schaden anrichtete: einer globalen Infodemie. Gezielte Falschmeldungen, Hassrede, Verschwörungstheorien...dass es beim Zugang zu verlässlichen Informationen um Leben und Tod gehen kann, zeigte sich noch nie so deutlich wie zu Zeiten von COVID-19. Zum Welttag der Pressefreiheit würdigt die Europäische Union all die Journalistinnen und Journalisten, die unter oft widrigen Bedingungen weiterhin ihrer Arbeit nachgehen und zunehmendem finanziellen und politischen Druck, Überwachung, willkürlichen Haftstrafen oder Gewalt ausgesetzt sind. Und das jetzt, wo die unabhängige und freie Medienberichterstattung eine wichtigere Rolle spielt denn je.

„Die Pressefreiheit ist ein Grundstein demokratischer Gesellschaften, die nur dann erfolgreich sein können, wenn ihre Bürgerinnen und Bürger Zugang zu zuverlässigen Informationen haben und fundierte Entscheidungen treffen können.  Pressefreiheit bedeutet Sicherheit für alle“, so die Erklärung des Hohen Vertreters Josep Borrell im Namen der EU. 

Der diesjährige Welttag der Pressefreiheit steht unter dem Motto „Information als öffentliches Gut“ (externer Link) und markiert den dreißigsten Jahrestag der historischen Erklärung von Windhoek, die am 3. Mai 1991 von einer Gruppe afrikanischer Zeitungsjournalistinnen und ‑journalisten, Teilnehmenden am UNESCO-Seminar „Promoting an Independent and Pluralistic African Press“ („Förderung einer unabhängigen und pluralistischen afrikanischen Presse“), unterzeichnet wurde. Als Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln wird die Weltkonferenz zur Pressefreiheit 2021 vom 29. April bis zum 3. Mai in Windhoek, der Hauptstadt Namibias, stattfinden.

Während sich das Informationsumfeld seitdem dramatisch verändert hat, ist die Grundforderung von Windhoek heute noch genauso relevant wie vor 30 Jahren: Wir müssen Information als öffentliches Gut anerkennen und fördern. 

Wie die UNESCO ausführt, erlebt die Welt im Jahr 2021, dass Informationen neben vielen anderen Arten von Inhalten in einer immer digitalisierteren Kommunikationsumgebung verbreitet werden, in der auch die Herausforderungen Desinformation und Hassrede auftreten. Die Erstellung von Informationen mit lokalem Bezug, etwa lokalen Nachrichten, sei erheblichen Belastungen ausgesetzt. Zugleich seien die Menschen einer verwirrenden Überverfügbarkeit von Inhalten ausgesetzt, in denen selbst die Fakten untergehen, die lokal und global erstellt und verbreitet werden.

Wie können Informationen in diesem neuen Umfeld bewahrt werden? Die UNESCO streicht drei dringliche Maßnahmen heraus: Schritte einleiten, um die wirtschaftliche Tragfähigkeit von Nachrichtenmedien sicherzustellen; Mechanismen annehmen, um die Transparenz der Internetunternehmen zu gewährleisten; die Kapazitäten im Bereich der Medien- und Informationskompetenz fördern, damit die Menschen Journalismus als wesentlichen Bestandteil der Information als öffentliches Gut anerkennen und würdigen, aber auch verteidigen und einfordern.

The odyssey of reporting in times of COVID-19

Die Odyssee der Berichterstattung in Zeiten von COVID-19

Laut der Rangliste der Pressefreiheit 2021, die Reporter ohne Grenzen Mitte April veröffentlichte, brachte das vergangene Jahr eine dramatische Verschlechterung des Zugangs der Menschen zu Informationen und zusätzliche Hürden für die Berichterstattung mit sich. „Die Coronavirus-Pandemie wurde als Vorwand genutzt, um Journalistinnen und Journalisten den Zugang zu Informationsquellen und die Berichterstattung vor Ort zu verweigern. Wird sich das wieder ändern, wenn die Pandemie vorbei ist?“ – das ist die Frage.

Journalismus, das wichtigste Mittel gegen Desinformation, wird in 73 % der 180 Länder, die die Organisation auf der Rangliste aufführt, weiterhin vollständig oder teilweise unterbunden. 

Seit 2020 wurden laut der UNESCO-Beobachtungsstelle weltweit 78 Journalistinnen und Journalisten getötet und sehr viele mehr festgenommen, schikaniert oder bedroht – zusätzlich zu den Einschränkungen im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie. Erst vor wenigen Tagen erfuhren wir von den beiden jüngsten Opfern, den bekannten spanischen Reporten David Beriain und Roberto Fraile, die am 27. April in Burkina Faso während ihrer Dreharbeiten für einen Dokumentarfilm über Wilderei in den Nationalparks des Landes ermordet wurden.

Die kürzlich in Burkina Faso ermordeten spanischen Journalisten David Beriain und Roberto Fraile.

Selbst unter diesen immer widrigeren Umständen haben Medienschaffende überall erheblich zu unserem Verständnis der Pandemie beigetragen, indem sie die überwältigende Flut hochkomplexer Informationen zugänglicher gemacht, wissenschaftliche Fakten für die breite Öffentlichkeit aufbereitet, regelmäßig aktualisierte Daten bereitgestellt und sich an der Faktenprüfung beteiligt haben.

Die derzeitigen Desinformationskampagnen bringen die Impfkampagne ins Stocken und schmälern damit unsere Chance auf eine baldige Rückkehr zur Normalität, so die Einschätzung des ukrainischen Journalisten Roman Koliada. Er ist einer der 29 Journalistinnen und Journalisten und Medienexpertinnen und ‑experten, die die „East Task Force“ des EAD für eine Kampagne (externer Link) zu den negativen Auswirkungen von Desinformation in den Ländern der Östlichen Partnerschaft befragt hat. Sie rufen zu kritischem Konsum auf: „Ich kann den Menschen nur raten, die Augen aufzumachen. Beim Einkaufen achtet man auch auf die Verfallsdaten. So sollte man mit Informationen ebenfalls umgehen“, so der moldauische Journalist Vasile Botnaru von Radio Europa Liberă.

Etwas mit eigenen Augen zu sehen, überzeugt wie sonst nichts. Aus diesem Grund drehten drei Mitarbeitende des montenegrinischen öffentlichen Fernsehens eine einstündige Fernsehsendung über die COVID-19-Station in der Klinik Klinički centar Crne Gore in Montenegro. In ihren Schutzanzügen waren sie die ersten Medienschaffenden, die diese Station besuchten und das Gesundheitspersonal und COVID-19-Patienten begleiteten. „Dies verschaffte der montenegrinischen Öffentlichkeit die seltene Gelegenheit, zu sehen, was mit COVID-Patienten geschieht. Das half den Menschen zu begreifen, wie ernst die Lage ist und wie hart der Kampf gegen die Pandemie wirklich ist“, so Reporterin Vesna Teric.

Fernseh-Crew in der COVID-19-Station der Klinik Klinički centar Crne Gore in Montenegro Quelle: EU-Delegation Montenegro

2020: über 400 Journalistinnen und Journalisten unter EU-Schutz

Die Freiheit der Medien und die Sicherheit von Journalistinnen und Journalisten sind zentrale Prioritäten des neuen Aktionsplans für Menschenrechte und Demokratie und des Europäischen Aktionsplans für Demokratie. Im Jahr 2020 kam der EU-Mechanismus zum Schutz von Menschenrechtsverteidigerinnen und ‑verteidigern (externer Link) mehr als 400 Journalistinnen und Journalisten zugute, und gleichzeitig hat die EU im Zusammenhang mit der Pandemie in vielen Regionen wichtige Maßnahmen zur Unterstützung von Medienschaffenden und unabhängigen Medien sowie der Bekämpfung von Desinformation ergriffen.

Die EU hat zudem unter anderem über ihren Sonderbeauftragten für Menschenrechte weiterhin mit verfolgten unabhängigen Berichterstattenden zusammengearbeitet und zur Unterstützung inhaftierter Journalistinnen und Journalisten sowie Bloggerinnen und Blogger interveniert. Die EU-Delegationen fungieren als die Stimme der EU vor Ort und verfolgen aufmerksam Gerichtsverfahren gegen Journalistinnen und Journalisten, sprechen sich gegen die Unterdrückung von Menschenrechtsverteidigerinnen und ‑verteidigern und Medienschaffenden aus und äußern bei nationalen Behörden Bedenken bezüglich vorgeschlagener Rechtsvorschriften in den Bereichen Kommunikation, Medien, Nachrichten und Rundfunk.

Zugleich arbeitet die EU weiterhin mit ihren internationalen Partnern zusammen, um neue Möglichkeiten aufzutun, wie Journalistinnen und Journalisten geschützt werden können. Ein Beispiel hierfür ist der Vorschlag der Europäischen Kommission für ein Gesetz über digitale Dienste, der darauf abzielt, die wichtigsten Plattformen in die Verantwortung zu nehmen, um ihre Systeme gerechter, sicherer und transparenter zu machen. Ein weiteres einschlägiges Beispiel ist die Forschung der EU zu Mitteln, mit denen nachhaltige Geschäftsmodelle für unabhängige Medien wirksam unterstützt werden können.

Was bedeutet Journalistinnen und Journalisten der Welttag der Pressefreiheit? Wir haben sie gefragt.

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