2012 - Europäisches Jahr für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen (17/07/2012)

Das Thema des Europäischen Jahres 2012 will die Öffentlichkeit für den gesellschaftlichen Beitrag älterer Menschen sensibilisieren. Die politischen Entscheidungsträger und die Interessenträger auf allen Ebenen sollen dazu angehalten werden, auf bessere Rahmenbedingungen für aktives Altern und die Stärkung der Solidarität zwischen den Generationen hinzuwirken.

Europa befindet sich in einem Prozess starker demografischer Alterung. 2012 wird die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter abzunehmen beginnen, während die Zahl der über 60-Jährigen jährlich um etwa zwei Millionen zunehmen wird. Der stärkste Druck wird zwischen 2015 und 2035 erwartet, wenn die geburtenstarken Jahrgänge der Nachkriegszeit in den Ruhestand eintreten werden.

Dies stellt eine große Herausforderung für nachhaltige öffentliche Finanzen und insbesondere für die Finanzierung des Gesundheitswesens und der Renten dar, was die Solidarität zwischen den Generationen schwächen kann. Eine solche Betrachtungsweise vernachlässigt aber den erheblichen tatsächlichen und potenziellen Beitrag, den ältere Menschen – und gerade die geburtenstarken Jahrgänge – für die Gesellschaft leisten können. Um dem entgegen zu wirken, hat die Europäische Kommission 2012 das Europäische Jahr für aktives Altern und die Solidarität zwischen den Generationen lanciert.

Was ist aktives Altern?

Aktives Altern bedeutet, bei guter Gesundheit und als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft älter zu werden, ein erfülltes Berufsleben zu führen, im Alltag unabhängig und als Bürger engagiert zu bleiben. Wir können unabhängig von unserem Alter eine Rolle in der Gesellschaft spielen und höhere Lebensqualität genießen. Wichtig ist, das große Potenzial auszuschöpfen, über das wir auch in hohem Alter noch verfügen.

Die Ziele des Europäischen Jahres 2012

Im Europäischen Jahr 2012 soll aktives Altern auf drei Gebieten gefördert werden:

  • Beschäftigung – Mit der in ganz Europa zunehmenden Lebenserwartung steigt auch das Renteneintrittsalter an. Viele Senioren befürchten jedoch, ihrer derzeitigen Beschäftigung nicht lange genug nachgehen oder keine neue Stelle finden zu können, um ausreichende Rentenansprüche zu erwerben. Wir müssen älteren Arbeitnehmern bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt geben.
  • Teilhabe an der Gesellschaft – Das Ausscheiden aus dem Berufsleben bedeutet nicht zwangsläufig Müßiggang. Der Beitrag, den ältere Menschen durch die Unterstützung anderer – meist der Eltern, der Enkel oder des Ehegatten – zur Gesellschaft leisten, wird meist ebenso übersehen wie ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten. Durch das europäische Jahr sollen der gesellschaftliche Beitrag älterer Menschen stärker gewürdigt wird und Bedingungen geschaffen werden, die ihre Rolle fördern.
  • Eigenständige Lebensführung – Das Altern geht zwar mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen einher, diese können aber deutlich abgemildert werden. Bereits kleine Veränderungen der Umgebung können für Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder Behinderungen einen großen Unterschied bewirken. Aktives Altern bedeutet auch Unterstützung dabei, möglichst lange selbständig zu bleiben.

Die Umsetzung

Die wichtigsten Dienstleistungen, dank derer ältere Menschen auch in Zukunft aktive Mitglieder der Gesellschaft bleiben können, werden auf lokaler oder regionaler Ebene bereitgestellt. Dazu zählen unter anderem Bildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten zur Förderung des aktiven Alterns in Beschäftigung, eine angepasste öffentliche Verkehrsmittel und städtische Infrastruktur sowie Gesundheits- und Langzeitpflegedienste, die ein gesundes Altern und eine möglichst selbständige Lebensführung fördern.

 

Beispiele von Initiativen

  • Fahrradschule für Senioren (Frankreich): Der Verein "Feen des Sports" im französischen Departement Acquitaine bietet spezielle Kurse an, in denen Senioren sicheres Fahrradfahren neu oder wieder erlernen können.
  • Grosseltern aufs Internet (Italien): Die Sekundarschule Pasquale Tola in Sardinien organisiert Kurse, in denen 11-13 jährige Schüler Senioren beibringen, wie man das Internet benutzt.
  • Granny Aupair (Deutschland): Diese Initiative aus der Region Hamburg ermöglicht es Frauen, die über 50 sind, im Rahmen eines freiwilligen sozialen Einsatzes einen Auslandsaufenthalt bei einer Gastfamilie zu absolvieren.

Für solche Projekte stehen lokalen und regionalen Akteuren verschiedene europäische Finanzierungsprogramme offen wie der Europäische Sozialfonds, das Programm für lebenslanges Lernen und das Forschungsrahmenprogramm. Zusätzlich steht der Kommission für Massnahmen im Rahmen des Europäischen Jahres 2012 ein Budget von fünf Millionen Euro zur Verfügung.

Die Europäische Kommission verleiht anlässlich des Europäischen Jahres 2012 auch Preise, um Organisationen und Einzelpersonen zu ehren, die durch ihre Tätigkeit das aktive Altern fördern. Einige der ausgeschriebenen Wettbewerbe:

  • Arbeitsplätze für jedes Alter“: Diese Preise würdigen die besten Initiativen von Arbeitgebern, Gewerkschaften und gemeinnützigen Organisationen zur Förderung besserer Arbeitsbedingungen für ältere Arbeitnehmer.
  • „Für altersgerechte Umgebungen“: Diese Preise anerkennen herausragende Initiativen regionaler oder lokaler Behörden zur Schaffung eines integrativen und zugänglichen Umfelds, welches das aktive Altern erleichtert und sich positiv auf die Gesundheit und die Lebensqualität aller Generationen auswirkt.
  • „Berichterstattung über das Altern und die Beziehungen zwischen den Generationen“: In dieser Kategorie werden Journalisten ausgezeichnet, die mit ihrer Arbeit einen bedeutsamen Beitrag zu einem besseren Verständnis der Herausforderungen einer alternden Gesellschaft und möglicher Lösungsansätze geleistet gefördert haben.
  • „Der Lebensgeschichten-Wettbewerb“: Diese Preise ehren die Lebensgeschichten älterer Menschen. Mitglieder der jüngeren Generation sind eingeladen, die Geschichte einer älteren Person (eines Familienmitglieds, eines Nachbarn, eines Freundes usw.) zu erzählen und den wertvollen Beitrag zu präsentieren, den der „aktive Alternde“ für die Familie, die Gesellschaft oder bei der Arbeit leistet.
  • „Generations@school-Wettbewerb“: Dieser Wettbewerb lädt alle europäischen Schulen dazu ein, die Türen ihrer Klassenräume für ältere Menschen zu öffnen. Schüler und ältere Menschen bekommen so die Gelegenheit, gemeinsam darüber nachzudenken, was sie voneinander lernen und wie sie gemeinsam für eine bessere Zukunft arbeiten können. Die teilnehmenden Schulen können bis zum 30. Juni 2012 Fotos auf eine speziell eingerichtete Webseite hochladen. Die kreativsten generationsübergreifenden Projekte werden prämiert.

 

Das Europäische Jahr 2012  in der Schweiz

Die Schweiz ist vom dem gleichen Prozess demografischer Alterung wie der Rest Europas betroffen und daher mit den gleichen Herausforderungen wie EU-Mitgliedstaaten konfrontiert. Obwohl die Schweiz nicht offiziell am Europäischen Jahr für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen teilnimmt, beteiligen sich verschiedene Schweizer Organisationen mit eigenen Initiativen, darunter Pro Senectute,  Migros kulturprozent, das Schweizerische Rote Kreuz, und die Reformierte Kirchen einiger Kantone. Das Bundesamt für Statistik (BFS) beteiligt sich am Europäischen Jahr durch eine Artikelserie zum Thema aktives Altern, die im Newsletter Demos veröffentlicht werden.