Die Schweiz wieder drittwichtigster Handelspartner der EU (08/04/2011)

Lange Zeit war die Schweiz hinter den USA der zweitwichtigste Handelspartner der EU. Seit der Jahrtausendwende holten jedoch die Schwellenländer auf und die Schweiz wurde zuerst von China und dann von Russland überholt. Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen der EU und der Schweiz sind jedoch stabiler als jene mit anderen Regionen der Welt, wodurch die Schweiz im Krisenjahr 2009 wieder auf den dritten Platz vorrückte.

Zählt man das Volumen des Handels von Waren und Dienstleistungen zusammen, so fand 2009 zwischen der EU und der Schweiz ein Austausch von über 273 Mrd. Euro (ca. 350 Mrd. Franken) statt. Das Volumen lag demnach im Rezessionsjahr 2009 nur geringfügig tiefer als 2007 (278 Mrd. Euro) und 2008 (291 Mrd. Euro). Mit Rückgängen zwischen 10% und 30% war der Waren- und Dienstleistungsaustausch der EU mit den Schwellenländern, aber auch jener mit den USA und Japan, wesentlich stärker betroffen. Die Handelsbeziehungen zwischen der EU und der Schweiz erwiesen sich damit als sehr krisenresistent, was sicherlich zur relativ raschen Überwindung der Rezession in der Schweiz mit beigetragen hat.

Die wichtigsten Handelspartner der EU (Handel mit Waren- und Dienstleistungen, in Mia. EUR) 

 
Eigene Grafik, Zahlen: EUROSTAT – European Economic Statistics, 2010 edition

 

Warenhandel

Der Warenhandel der EU mit dem Rest der Welt wies 2009 ein Gesamtvolumen (Exporte und Importe) von 2'297.2 Mrd. EUR auf.(*) Damit ist die EU die grösste Handelsmacht und zugleich der grösste Binnenmarkt der Welt. Der Warenaustausch mit der Schweiz betrug 2009 rund 162.4 Mrd. EUR (Exporte in die Schweiz: 88.6 Mia. EUR, Importe aus der Schweiz: 73.8 Mia. EUR). Mit einem Anteil von 7.1.% ist die Schweiz der viertwichtigste Handelspartner der EU, hinter den USA (15.9%), China (13%) und Russland (7.9%). Sie gehört zu denjenigen Staaten, mit denen die EU eine positive Handelsbilanz aufweist (2009: fast 15 Mrd. Euro Überschuss).

In umgekehrter Richtung ist die Bedeutung der EU als Handelspartner der Schweiz kaum zu überschätzen: Über 60% der Schweizer Exporte gehen in die EU und fast 80% der Importe stammen aus diesem Raum. Zählt man Exporte und Importe zusammen, so findet ca. 68% des Schweizer Aussenhandels mit der EU statt. 

Die wichtigsten Handelspartner der EU          Die wichtigsten Handelspartner der Schweiz

Aufgeteilt nach Warengruppen umfassten die EU-Exporte in die Schweiz 2009 hauptsächlich Maschinen und Transportgüter (27.8%), Chemikalien (18.9%) sowie weitere Industriegüter (31.5%). In umgekehrter Richtung importierte die EU aus der Schweiz hauptsächlich Chemikalien und Pharmazeutika (39.3%), Präzisionsinstrumente, Uhren und Bijouterie (19.1%) sowie Maschinen, Apparate und Elektronik (18.9%). 

Blick auf die Schweiz

Innerhalb der EU sind Deutschland (37.8% des Schweizer Handels mit EU-Staaten), Italien (13.5%), Frankreich (12.1%), die Niederlande (5.6%) und Österreich (5.6%) die bedeutendsten Handelspartner der Schweiz.

Der Warenhandel zwischen der Schweiz und den neuen EU-Mitgliedstaaten in Mittel- und Osteuropa hat in den letzten 10 Jahren überdurchschnittlich zugenommen, mit einzelnen Staaten wie z.B. Polen (von 1503 Mio. CHF im Jahr 2000 auf 3356 Mio. CHF im Jahr 2010) und Tschechien (von 1362 Mio. CHF im Jahr 2000 auf 3560 Mio. im Jahr 2010) hat er sich mehr als verdoppelt bzw. fast verdreifacht. 2010 betrugen die schweizerischen Exporte in die neuen EU-Mitgliedstaaten 7.1 Mia. CHF (3.7% der schweizerischen Gesamtexporte, fast. 10% der Exporte in die EU). Umgekehrt importierte die Schweiz aus diesen Staaten im selben Jahr Waren im Wert von 5.63 Mia. CHF (3.2% der Gesamtimporte, 7.5% der Importe aus der EU). 

Dienstleistungsverkehr

Der EU-Dienstleistungsverkehr mit dem Ausland wies 2009 ein Volumen von 866.7 Mia. EUR auf. Die Schweiz ist der zweitwichtigste Dienstleistungspartner der EU, der Dienstleistungsverkehr mit ihr betrug 2009 111.1 Mia. EUR, was einem Anteil von 12.8% entspricht. Vor der Schweiz liegen einzig die USA mit einem Anteil von 28.4%. Der Dienstleistungsverkehr der EU mit der Schweiz nahm zwischen 2005 und 2009 pro Jahr durchschnittlich um 6.3 % zu.

2009 exportierte die EU Dienstleistungen im Umfang von 480.8 Mia. Euros, die beiden grössten Exportbranchen waren Transport und Tourismus. Der Export von Finanzdienstleistungen machte knapp 9% aus.

Wie der Warenhandel erwies sich auch der Dienstleistungsverkehr zwischen der EU und der Schweiz als sehr krisenstabil. Er nahm in den Krisenjahren 2008/09 nur um 1.6% ab, was dem niedrigsten Einbruch aller bedeutenden EU Dienstleistungspartner entspricht. 

Direktinvestitionen

Neben Güterströmen und Dienstleistungsverkehr bilden Direktinvestitionen einen weiteren wichtigen Bestandteil der internationalen Wirtschaftsbeziehungen. Für das investierende Unternehmen bedeuten sie Zugang zu neuen Märkten und Absatzkanälen, für das Empfängerland können Direktinvestitionen Quelle neuer Technologien und neuen Kapitals darstellen.
Der wichtigste Partner der EU bei den Direktinvestitionen sind die USA, gefolgt von der Schweiz. Das Volumen der EU-Investitionen in der Schweiz betrug 2009 503.3 Mrd. Euro, die Investitionen der Schweiz in der EU kumulierten sich auf 347.9 Mrd. Euro. Die jährlichen Direktinvestitions-Flüsse aus der EU in die Schweiz betrugen im selben Jahr 44.8 Mrd. Euro, aus der Schweiz flossen 2009 31.7 Mrd. Euro an Direktinvestitionen in die EU. Über 14% des weltweiten Bestands an EU-Direktinvestitionen im Ausland befinden sich in der Schweiz, hauptsächlich im Finanzsektor. 

(*) Quellen Zahlen Warenhandel & Dienstleistungen: Eurostat; Schweiz: EZV und Seco; Direktinvestitionen: Eurostat Statistics in Focus 29/2010 und STAT/10/93