"Schweizer Forschende sind in den EU-Programmen willkommen!" (12/07/2010)

Die Schweiz nimmt seit 1999 als vollwertiger Partner an den Forschungsrahmenprogrammen der EU teil. Diese fördern Unternehmen sowie Forschungszentren und Hochschulen bei ihren Bemühungen um höchste Forschungsqualität und grenzüberschreitende Kooperation. Schweizer Forschende profitieren überdurchschnittlich von den europäischen Fördermitteln und den Möglichkeiten der europaweiten Zusammenarbeit.

"Schweizer Forschende sind sehr innovativ und daher in unseren Programmen willkommen und entsprechend erfolgreich. Sie tragen dazu bei, dass Europa ein wettbewerbsfähiger und dynamischer Wirtschaftraum bleibt", sagt Máire Geoghegan-Quinn, EU-Kommissarin für Forschung, Innovation und Wissenschaft. Sie spricht damit die Teilnahme von öffentlichen und privaten Forschungsinstitutionen aus der Schweiz am siebten Rahmenprogramm für Forschung und technologische Entwicklung der EU an (abgekürzt FRP7). Das Programm, das für die Jahre 2007-2013 mit einem Gesamtbudget 50,5 Mrd. Euro dotiert ist, hat zum Ziel, die wissenschaftlichen und technologischen Grundlagen der europäischen Industrie sowie deren internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

Ein Beispiel für die erfolgreiche Schweizer Teilnahme am 7. Forschungsrahmenprogramm ist das Projekt FLUINHIBIT, dessen Ziel es ist, neue antivirale Medikamente zu entwickeln, um die Bevölkerung vor Grippepandemien zu schützen. Das Projekt wird vom Schweizer KMU Pike Pharma, ein Ableger der ETH Zürich geleitet, weitere Partner im Konsortium sind Universitätskliniken und Biotech-Unternehmen aus Lithauen, Österreich, Deutschland und Italien. Projektkoordinator Dr. Ulrich Kessler schätzt an der Teilnahme am FRP nicht nur die finanzielle Unterstützung, sondern ebenso die Zusammenarbeit mit den europäischen Partnern und die im Programm vorgesehene Evaluation, welche die eigene Forschung einer kritischen Beurteilung durch renommierte Forscher aus ganz Europa unterzieht. Davon könne ein KMU enorm profitieren.

Auch im Bereich der Solarenergie gibt es mehrere Schweizer FRP7-Projekte. Diesen Sommer startet das Projekt QCOALA , an dem nebst dem Schweizer KMU Flisom AG aus Dübendorf weitere 7 Privatunternehmen und 3 Forschungsinstitute aus verschiedenen Europäischen Ländern beteiligt sind. Ziel des Projektes ist es, Laserschweissmaschinen zu entwickeln, die in der Produktion von speziell leichten Solarzellen gebraucht werden. Unter dem FRP6 hatte sich schon das KMU Flexcell aus Yverdon-les-Bains an einem Projekt FLEXCELLENCE beteiligt, in dem Prozesse zur Herstellung von sogenannten "flexiblen Solarzellen" optimiert wurden. Die zwölf neuen Maschinen, die Flexcell heute zur Produktion seiner Solarzellen einsetzt, basieren auf dem Prototyp, der während dem Projekt entwickelt wurde.

Projekt FLUINHIBIT © EURESEARCHProjekt QCOALA © EURESEARCHProjekt FLEXCELLENCE © EURESEARCH

Grundlage für die Assoziierung der Schweiz an den EU-Forschungsrahmenprogrammen bildet das im Rahmen der Bilateralen I 1999 unterzeichnete Forschungsabkommen, welches damals für das FRP5 galt und seitdem zweimal erneuert wurde. Wie die EU-Mitgliedstaaten und die anderen assoziierten Staaten leistet die Schweiz einen jährlichen Beitrag an das Programm, der sich an der Wirtschaftskraft gemessen am Bruttoinlandprodukt richtet. Er entspricht im Falle der Schweiz rund 2,8% des FRP-Gesamtbudgets und beläuft sich über die sieben Jahre insgesamt auf ca. 2,4 Mrd. CHF. Schweizer Forschende können sich wiederum gleichberechtigt um Fördergelder bewerben: Sie können an europäischen Forschungsprojekten teilnehmen, selbst Projekte vorschlagen und europäische Forschungskonsortien leiten. Massgeblich für die Bewilligung von Förderbeiträgen ist die Qualität der Forschung und die Relevanz für die Ziele des spezifischen Programms.

Gemäss der kürzlich veröffentlichten Zwischenbilanz des schweizerischen Staatssekretariats für Bildung und Forschung sind schweizerische Forschungsinstitutionen hierbei sehr erfolgreich. Nach derjenigen Belgiens, der Niederlande und Frankreichs ist die Erfolgsrate für Schweizer Projektvorschläge gegenwärtig die viertbeste unter den 39 Mitgliedsstaaten und assoziierten Ländern des FRP7. Die Schweizer Forschenden erhielten unter dem bisher nicht nur mehr Fördermittel als unter dem 6. Programm, sondern sogar mehr als die Schweiz als Finanzierungsbeitrag zum Rahmenprogramm beisteuert. Am meisten Fördergelder erhielten bisher die beiden Eidgenössischen Technischen Hochschulen in Zürich und Lausanne, gefolgt von Universitäten und KMUs. Am erfolgreichsten sind Schweizer Forschende in den Bereichen Nanotechnologie, Umwelt und Gesundheit.

Schweizer Forschende, die am FRP7 beteiligt sind oder daran teilnehmen möchten, werden von Euresearch beraten und begleitet, einer Organisation, die vom Staatssekretariat für Bildung und Forschung beauftragt ist, die Schweizer Beteiligung an internationalen Forschungsprogrammen zu koordinieren und zu unterstützen.